Bernd Müller
Pressetext

Dieses kleine unendlich endliche Leben

Bernd Müller hat in seinen plastischen Arbeiten seine künstlerischen Wurzeln im realistischen Expressionismus. Wer seinen kleinformatigen Plastiken begegnet fühlt sich unweigerlich an Ernst Barlach und Käthe Kollwitz erinnert. Allen gemeinsam ist das scheinbar Erdschwere der Figuren, die realistische Formensprache, die fast meditativ konzentrierte Aussagekraft des Werkes.

Mit Barlach und Kollwitz teilt Bernd Müller das tiefe Interesse am Menschen und der künstlerische Ausdruck. Im Zentrum der bildnerischen Thematik stehen einfache stille Charaktere, Szenen aus dem direkt erfahrenen Leben, die sich atmosphärisch zu einer Zentralaussage verdichten. Für eine Stimmung, ein Verhalten schafft Müller ein stellvertretendes Szenario, das zum Ausdruckträger wird. Die Figur ist dabei auf ein bildnerisches Kürzel in der Formgebung reduziert. Alles Überflüssige ist weggelassen zur Betonung und Verstärkung der reinen notwendigen Form.

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Die Szenen wirken geschlossen, zentriert. Sie positionieren eine innere Mitte, die auf den Betrachter wie ein meditativer Sog wirken. Die Gedanken laufen linear auf einander zu, von verschiedenen Richtungen, verdichten sich in einem Punkt, einer Aussage und verharren dort in ruhiger meditativer Betrachtung.

Bernd Müller hat bei allen Anklängen an die klassischen Vorläufer seinen eigenen unverwechselbaren Stil gefunden. Er verzichtet auf das Pathos von Barlach, das oft grenzwertig übersteigert anmutet, verzichtet ebenso auf das Dramatische von Kollwitz, ganz einfach, weil seine Realität heute eine andere ist. Das Verbindende bleibt die wachsame Beobachtung und Durchdringung der umgebenden Welt, der Menschen um uns. Sein höchst eigenes Agens ist die augenzwinkernde Distanz der Interpretation. Diese verleiht seinem Werk bei aller Tiefe eine Leichtigkeit, die zugleich schwebende Heiterkeit mit spiritueller Tiefe verbindet.


Claire Mesnil  –  April 2009

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