Bernd Müller
Pressetext

Es lebt und atmet...

....das Holz der Zirbel, der Linde, der Robinie. Es ist was es ist und wird doch zu etwas ganz Besonderem unter den Händen des Bildhauers Bernd Müller.

Neben seinen Arbeiten in Bronze und Keramik, entdeckte Bernd Müller vor zwei Jahren für sich die Holzschnitzerei. Auf der international bekannten Fachschule für Holzbildhauerei im österreichischen Elbigenalp erlernte er das Handwerk auf klassisch traditionelle Weise.

Gerade in der Holzbildhauerei sind die Grenzen zwischen Kunst, Kunstgewerbe und Handwerk fast aufgelöst. Künstlerische Phantasie, ein ausgeprägtes räumliches Vorstellungsvermögen und kreative Formfindung sind genau so wichtig wie z.B. Kenntnisse in Verdübelungs- und Verankerungstechniken von Holz und die Beherrschung von bearbeitenden Verfahren wie Schnitzen, Schleifen, Bohren und Fräsen. Verschiedenste Werkzeuge und Maschinen – vom feinen Schnitzmesser über den Beitel bis hin zur Kettensäge – kommen dabei zum Einsatz.

In den letzten Jahrzehnten haben immer mehr Bildhauer den traditionsreichen, natürlich gewachsenen Werkstoff Holz für sich wiederentdeckt. Seit den 80iger Jahren erlebt die Holzbildhauerei einen Aufschwung, der ungebrochen anhält (z.B. Georg Baselitz, Armin Göhringer, Rudolf Wachter, Werner Pokorny).

Kein anderes Material behält bis zum zerhackten, zerspänten Teil die Vitalität und Individualität wie Holz. Das warme Taktile des Materials ist von ganz eigener sinnlicher Qualität.

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Bernd Müller gehört zu den Künstlern, denen der in Walzen und Blöcke zerlegte Stamm eine Grundform vorgibt, aus der er die skulpturale Form herausarbeitet. Je nach Ausdrucksintention variieren Technik und Ausarbeitungsgrad. Bei „Ausstieg“ ist der liegende Akt nur „angeschlagen“, d.h. grob aus dem Holzblock herausgeschlagen. Der Baumstamm ist nicht ganz verschwunden; sein Rest bleibt als Sockel übrig und bezeugt die natürliche Herkunft der Figur aus einem Stück Holz. Die Oberfläche der Skulptur zeigt noch alle Spuren, die das Werkzeug hinterlassen hat, wodurch die archaische Wirkung von Ursprünglichkeit gesteigert wird.

In „Torso“ von 2008 und „Ströme“ von 2009 treffen weich ausgearbeitete Rundungen auf fein geschliffene Grate und verbinden sich zu einem reizvollen Formenspiel subtil streng reduzierter Interpretation. Vor allem „Ströme“ vermittelt dies durch eine opak geschlossene Form. Die Figuren verharren still und klar in sich und verströmen eine fast meditative Ruhe.

Bernd Müller hat bislang fast ausschließlich mit mittelharten Hölzern wie Zirbel und Linde gearbeitet. Sein nächstes Projekt ist es, Figuren und Formen in der Robinie zu entdecken, einem Baum der, ursprünglich in China beheimatet, auch im Kölner Stadtwald wächst und bekannt ist für sein schweres hartes Holz. Auch auf diese neuen Arbeiten dürfen wir gespannt sein.


Claire Mesnil
November 2009

© 2009 BERND MÜLLER – IMPRESSUM